AZ Bericht "Informationssystem nach Fuggers Vorbild"

Neusäß Ihre Arbeitstage dauern häufig bis zu 16 Stunden. Sie verhandelt mit Kunden und Banken, teilt Mitarbeiter auf die Baustellen ein und versorgt nebenbei noch ihre Familie. Um neben der Arbeit noch Zeit für Weiterbildung zu finden, haben sich Susanne Holl aus Neusäß und weitere Frauen aus Handwerksbetrieben zum „Bezirksverband der Unternehmerfrauen im Handwerk Schwaben“ (UFH) zusammengeschlossen. Bisher gab es solche Gruppen nur auf regionaler Ebene.

Mit einem regelmäßigen Kaffeekränzchen für gestresste Ehefrauen haben die Treffen nichts zu tun. „Wir vernetzen uns, um unseren Firmen einen Informationsvorsprung zu verschaffen und schnell auf Trends in der Wirtschaft reagieren zu können“, erklärt Susanne Holl. Die Mitinhaberin des Neusässer Elektrounternehmens Holl leitet den UFH-Arbeitskreis Region Augsburg mit 28 Mitgliedern und ist stellvertretende Vorsitzende des neuen Bezirksverbandes.

Zu den monatlichen Treffen gehören Vorträge von Fachleuten aus verschiedenen Gebieten, die für die kleinen und mittelständischen Firmen relevant sind. Ein Unternehmensberater gab Tipps, wie man trotz geringer Risikofreude der Banken Kredite für Investitionen bekommt. Ein Experte der Handwerkskammer zeigte Hilfsangebote bei der Suche nach geeigneten Lehrlingen auf. Von einem Rechtsanwalt holten sich die Frauen Ratschläge zum Vertragsrecht.

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten könnten solche Informationsabende nur von Vorteil sein, findet Susanne Holl: „Es gibt viele Hilfsangebote für Unternehmen, die Probleme haben. Aber viele wissen nicht, dass es diese Programme gibt. Und genau da setzen wir an.“

Dazu gehört auch, Kontakte zur Politik zu knüpfen. Im vergangenen Jahr besuchten die Augsburgerinnen EU-Politiker in Brüssel. „Viele Gesetze, die das Handwerk betreffen, kommen von der
Europäischen Union“, erklärt Susanne Holl. Die Reise sei auch eine Chance gewesen, die Politiker auf die Probleme der Betriebe, beispielsweise mit der Bürokratie, aufmerksam zu machen.

Den Erfahrungsaustausch schätzt die Neusässerin trotzdem am meisten an den Zusammenkünften der Unternehmerfrauen: „Ich finde es aufregend, weil man sich auf persönlicher Ebene weiterbilden kann. Alle entwickeln eigene Strategien und man kann neue Ansätze für den eigenen Betrieb übernehmen.“

Dieser Austausch soll bald auch auf Bezirksebene intensiviert werden. Bei der Themenfindung hapert es allerdings noch. „In der Augsburger Gegend gibt es mehr Industrie- und Zulieferbetriebe. Im Allgäu prägen Dienstleistungssektor und der Tourismus die Wirtschaft. Man muss den Interessen aller gerecht werden“, erklärt Susanne Holl.

Dabei orientiert sie sich an einem großen Vorbild: Jakob Fugger. „Er hat gezeigt, dass man durch ein sehr gutes Informationssystem auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erfolgreich sein kann.“ Dieser Tradition eifern die Unternehmerfrauen nach - zumindest im Kleinen, meint Susanne Holl. „So reich wie die Fugger wollen wir nicht unbedingt werden.“

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Veröffentlicht
16:04:59 31.08.2010
Quelle
http://www.augsburger-allgemeine.de