Bewerben mit 13 Jahren ist schlichtweg eine Überforderung

Neusäß. Zum Abschluss der Job-Info-Börse fand in der Stadthalle Neusäß eine Podiumsdiskussion zum Thema „Fachkräftemangel - Chance für Wirtschaft und Jugendliche“ statt. Der Arbeitskreis der Unternehmerfrauen im Verein Handwerk Region Augsburg (UFH) brachte acht Diskussionseilnehmer aus Wirtschaft und Politik an einen Tisch.

Zudem stellte Susanne Holl, erste Vorsitzende UFH, zwei junge Auszubildende ihres Unternehmens vor. Sie stellte die Frage, welche Möglichkeiten und Programme es für Jugendliche und Unternehmen im Bereich Ausbildung gäbe. Denn es würden die ausbildungsschwachen Jahrgänge kommen, in denen die Industrie dem Handwerk die „Guten“ wegschnappen würde. „Dann bleibt uns nicht anderes übrig, als auch Problemazubis zu nehmen“, so Holl. Das würde sich zwar lohnen, aber auch Nerven kosten.

Dabei wünsche sie sich Unterstützung, damit man sich in dem Projektdschungel zurechtfinden könne. Zudem fehlt es ihrer Ansicht nach an einer dauerhaften Betreuung für Auszubildende. Moderator Wolfgang Ferencak stellte fest, dass nicht die Eliteförderung an dieser Stelle gefragt sei, da die Elite die Fachkräfte auf Dauer nicht weiterbringen würde: „Wir müssen die Ausbildung im Handwerk und Gewerbe fördern, auch wenn wir uns zur Dienstleistungsgesellschaft hin entwickeln.“ Zudem sei nicht jeder gute Schüler auch ein guter Handwerker.

Sollten Jugendliche nach der Schulzeit keine Ausbildung finden, sei es laut Roland Fürst, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Augsburg, das Wichtigste, dass man bei der Arbeitsagentur gemeldet sei. Nur so könne man an Unterstützung und finanzielle Töpfe gelangen. Gerade für Jugendliche, die sich bei der Ausbildungsplatzsuche schwer tun, habe die Agentur Maßnahmen, für die jährlich sehr viel Geld ausgegeben würde. Im letzten Jahr waren es laut Fürst acht Millionen Euro.

Während der Diskussion zeigte sich, dass Angebot und Nachfrage nicht immer zusammenfinden. Deshalb stellte sich die Frage, wie man mehr Transparenz schaffen könnte. Die SPDLandtagsabgeordnete Dr. Simone Strohmayr hält das System schlichtweg für zu komplex und sprach sich für klarere Strukturen aus. Hansjörg Durz sieht als Bürgermeister der Stadt Neusäß keine Notwendigkeit, seitens der Kommune ein zusätzliches Portal zur Verfügung zu stellen: „Es ist fraglich, ob eine zusätzliche Plattform für mehr Klarheit sorgen würde. Aus meiner Sicht müssen die Informationen von den Anlaufstellen her fließen. Die Institutionen sind ja bereits da.“

Jürgen Zorn von der Handwerkskammer Schwaben sagte: „Sozialpädagogische Betreuung leisten wir als Handwerkskammer nicht. Das ist gar nicht möglich. Aber wir haben natürlich Ansprechpartner für die Ausbildung.“

Karin Klos ist Konrektorin an der Eichenwaldschule und schilderte aus ihrer Sicht die Situation junger Schulabgänger. Die Kinder seien nicht einmal 15 Jahre, wenn sie aus der Schule entlassen würden, und müssten sich bereits in der 8. Klasse im Alter von 13 Jahren bewerben. Das sei schlichtweg eine Überforderung. Wenn das Elternhaus passe, sei die beste Unterstützung die der Eltern. Wenn nicht, würde die Schule mit Unterstützung der Arbeitsagentur helfen. Zudem biete die Eichenwaldschule Jobpaten in Zusammenarbeit mit dem Freiwilligenzentrum Neusäß. Außerdem habe die Schule Kooperationen mit Handwerksbetrieben. „Da sind die Jugendlichen schon auf einem ganz guten Weg, aber eine gewisse Eigeninitiative gehört auch dazu“, so die Konrektorin.

Diana Deniz

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Veröffentlicht
10:34:56 08.02.2011
Quelle
http://www.augsburger-allgemeine.de